Pills, pills, pills
Einmal täglich. Zweimal täglich. Morgens, mittags, abends. Vor dem Essen, nach dem Essen, nüchtern oder nach Essenseinahme, nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafen gehen. Der Tag strukturiert sich entlang kleiner Anweisungen. Zeit wird dosiert, Tabletten werden eingenommen, Körper und Geist adressiert.
Tabletten einzunehmen ist eine Gesundheitspraxis, für viele Menschen eine alltägliche Handlung, die den Lebensweg begleitet. Medikamente sind eigensinnige Dinge, omnipräsent, sie sind Heilmittel und Erinnerung, Hoffnungsträger und Disziplinierungsobjekte und Fürsorge zugleich. Allein das Erinnern daran, eine Tablette einnehmen zu müssen, kann Widerstand auslösen, ein inneres Zögern, ein Aufschieben, ein Vergessen-Wollen evozieren oder aber auch Sicherheit geben, Wohlbefinden stärken oder eben einfach nur zwingend notwendig sein, um den Alltag zu meistern.
Pills, pills, pills markieren dabei eine Pause, eine kurze Unterbrechung, eine Erinnerung an ein achtsames Tun: Jetzt einnehmen, Achtung nicht vergessen! Wieviele, wann, wie,wo? Das Erinnern an die Einnahme ist selbst schon Teil der Gesundheitspraxis, verlangt Aufmerksamkeit, Disziplin, manchmal auch Überwindung. Vergessen ist in diesem Sinne keine blosse Nachlässigkeit, sondern kann auch ein Widerstand sein, gegen das Kranksein oder gegen die ständige Rückbindung an die eigene emotionale, physische oder soziale Gesundheit.
Pills, pills, pills begleiten uns aus unterschiedlichen Gründen, mal dienen sie der Prävention, mal der akuten Behandlung oder sind Begleitungen chronischer Krankheiten. Wie wir Tabletten einnehmen und ob wir sie einnehmen, ist nicht nur eine medizinische, sondern eine soziale, symbolische und affektive Frage und damit auch eine Designfrage. Nehmen wir sie offen ein, vor anderen, sichtbar auf dem Tisch? Oder verstecken wir sie, nehmen sie heimlich, aus der Tasche, aus dem Schrank? Ob wir Medikamente zeigen oder verbergen, ob sie sich in Regalen sammeln, in Dosen ordnen oder aus dem Blick verschwinden, hat ebenso Nebenwirkungen auf unser Wohlbefinden und Sein. Dabei verhandeln wir unser Verhältnis zur Verletzlichkeit und bewegen uns zwischen Scham und Normalisierung, zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.
In diesem Kontext lässt sich beobachten, für manche Menschen werden Medikamente zu etwas nahezu Heiligem, für andere sind sie Teil einer selbstverständlichen Alltagsästhetik. Treten wir in Räume ein, dekorieren Salben, Sprays, Tabletten Wohnungen, weil vielleicht auch ihre Sichtbarkeit hilft, das Handeln mit ihnen in den Griff zu bekommen. Wieder andere verstecken die Grosspackung, um das Kranke aus dem Leben zu nehmen. Und wiederum andere, meist die Gesunden, die lange oder noch verschont blieben, lesen in der Anhäufung der Dinge eine Symbolik, wo für Betroffene vielleicht keine ist.
Solche unterschiedliche Gesundheitspraxen benötigen verschiedene Aufbewahrungsdesigns, hierfür designen wir und unsere Partner:innen Dosen, Boxen und Etuis. Dieses Designs sollen organisieren, Rituale erzeugen und Wertschätzung offerieren, gerade in Zeiten, in denen wir uns fragil empfinden. Sie sind gedacht als helfende Hände, als Social-Design-Produkte, die Sicherheit und Sinn stiften. Sie bringen Farbe und Freude ins Gesundheitserleben, machen ästhetisch spürbar, wir sind für Dich immer da.