Was gutes Design am Lebensende bewirken kann
Wann hast du das letzte Mal über das Lebensende nachgedacht?
Wahrscheinlich nicht bewusst. Dabei betrifft es uns alle. Wir begleiten Angehörige, erleben Krankheit im Freundeskreis oder werden irgendwann selbst auf Unterstützung angewiesen sein. Trotzdem bleibt das Sterben in unserer Gesellschaft oft unsichtbar – bis es plötzlich Teil der eigenen Realität wird. Genau darüber durfte unsere Gründerin Bitten Stetter im Podcast «Kunstlicht» der Zürcher Hochschule der Künste sprechen.
«Sterben ist Leben.»
Dieser Satz von Bitten Stetter fasst zusammen, was Care Design für uns bedeutet.
Wir trennen sprachlich zwischen Leben und Sterben. Doch das Sterben ist keine Gegenwelt zum Leben – es ist eine Lebensphase. Gerade weil wir diese Phase häufig ausblenden, fehlen oft die richtigen Worte, Rituale und Dinge, die Menschen in einer verletzlichen Zeit unterstützen können.
Gute Gestaltung beginnt mit Zuhören
Die Care Wear Kollektion von finally. entstand nicht aus einer Marktanalyse.
Sie entstand aus einer Begegnung.
Alessandra Finazzi erhielt 2024 eine Krebsdiagnose. Während ihrer Chemotherapie suchte sie nach Kleidung, die ihr den Alltag im Krankenhaus erleichtern und gleichzeitig ein Stück Würde zurückgeben würde. Sie fand finally. – und stellte eine einfache Frage:
«Habt ihr Kleidung für Menschen während der Chemotherapie?»
Unsere Antwort lautete damals:
Nein.
Also begannen wir gemeinsam zu entwickeln.
Nicht für Betroffene.
Sondern mit Betroffenen. In einem gemeinsamen, iterativen Designprozess entstanden Prototypen, die immer wieder angepasst und im Alltag getestet wurden.
Würde entsteht in den kleinen Dingen
Design kann eine Diagnose nicht verändern.
Aber Design kann verändern, wie sich ein Mensch fühlt.
Eine Kleidung, die Untersuchungen erleichtert. Eine Tasse, die selbstständiges Trinken ermöglicht. Ein Baldachin, der im Mehrbettzimmer einen geschützten Moment schafft.
Es sind oft genau diese kleinen Dinge, die Sicherheit, Selbstbestimmung und Würde zurückgeben. Denn Atmosphäre entsteht nicht nur durch Räume, sondern auch durch Materialien, Licht, Gerüche und die Dinge, die uns umgeben.
Care geht uns alle an
Im Podcast spricht Bitten Stetter darüber, dass Care kein Spezialthema ist.
Früher oder später werden wir alle mit Fürsorge in Berührung kommen – als Patient:innen, als Angehörige oder als Begleiter:innen. Deshalb sollten Produkte und Räume für Krankheit, Pflege und das Lebensende nicht nur funktional sein. Sie sollten auch menschlich sein.
Es braucht mehr Gespräche
Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit einem neuen Produkt.
Vielleicht beginnt sie damit, dass wir wieder lernen, über Krankheit, Abschied und Fürsorge zu sprechen.
Denn wie Alessandra Finazzi im Podcast sagt: Über das Lebensende zu sprechen nimmt nichts weg – im Gegenteil. Es kann entlasten und Raum schaffen für das, was wirklich wichtig ist.
🎧 Den vollständigen Podcast «Dinge des Lebensendes – wie wir Übergänge gestalten» mit Bitten Stetter und Alessandra Finazzi findest du bei der Zürcher Hochschule der Künste und auf Spotify.
Wir freuen uns, wenn der Podcast dazu beiträgt, das Gespräch über Care, Würde und Gestaltung weiterzuführen.